5 Sterne, Allgemein, Science Fiction, Thriller

(Rezension) Das Gottesspiel

Titel: Das Gottesspiel (Original: The God Game)

Autor: Danny Tobey

Verlag: Heyne<

Seitenanzahl: 560

Kaufpreis: 16, 99 EUR

Erscheinungsdatum: 13. 07. 2020

»Wenn du gewinnst, werden all deine Träume wahr. Wenn du verlierst, bist du tot.« Diese Botschaft erhält Charlie, als er sich für das Gottesspiel anmeldet, das angesagteste Virtual-Reality-Game der Welt. Es wird von einer Künstlichen Intelligenz kontrolliert, die Charlie und seinen Freunden immer neue Aufgaben auf ihre Smartphones und ihre VR-Brillen schickt: Mal müssen sie eine virtuelle Hydra erlegen, mal ein altes Ritual zu Ehren eines längst vergessenen Gottes durchführen. Doch dann werden die Aufgaben, die die KI ihnen stellt, immer gefährlicher, und Charlie erinnert sich wieder an die Botschaft zu Beginn des Spiels. Was kann ihm eine KI schon antun? Wenn er im Spiel stirbt, hat das keine Auswirkungen auf sein Leben in der realen Welt – oder?

Danny Tobey wurde in Texas geboren und besuchte das Harvard College, die Yale Law School und die University of Texas Southwestern Medical School. Er ist Experte auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz und wurde 2019 für seine Forschungen zu den gesetzlichen Grundlagen der KI mit dem Burton Award der Library of Congress ausgezeichnet.

Charaktere

Charlie ist der eigentliche Protagonist. Bis vor kurzem war er ein Klasse Schüler, mit Spitzennoten und der Aussicht auf Harvard. Dann ist seine Mom an Krebs gestorben, und er hat sich aufgegeben. Sein Durchschnitt ist gesunken, und somit jede Chance auf Harvard weg – fast alle Lehrer haben ihn abgeschrieben. Seine Freunde, die Vindicators, ein zusammengewürfelter Haufen von Außenseiter, die füreinander das Wichtigste wurden, sind sein Anker. 

Als indisches Mädchen, dass erstklassig programmiert, Bass spielt und auf Frauen steht, bricht sie bereits viele Klischees. Ihre Eltern lieben und unterstützen sie dennoch, sie haben alles aufgegeben, um ihr das bestmögliche Leben in Amerika ermöglichen zu können, und dem will sie gerecht werden. Sie ist das einzige Mädchen der Vindicators und Charlie’s beste Freundin. Vor ein paar Jahren gaben sie sich das versprechen, zusammen nach Harvard zu gehen – vollkommen egal, was passieren würde.

Kenny ist der Sohn zweier  tiefreligiöser Ärzte, die sich dieselbe Laufbahn für ihre Kinder wünschen. Nachdem sein großer Bruder das Medizinstudium geschmissen hat, um Drehbuchautor zu werden, liegen seine Eltern Kenny noch mehr im Nacken und setzen ihm einem Druck aus, mit dem er kaum zurechtkommt. Weder teilt er ihren Wunsch für ihn, Arzt zu werden, noch ihre krassen religiösen Ansichten. Mehr als für Theologie, interessiert er sich für Philosophie.

Peter ist der hübsche, mysteriöse Junge, den es an jeder Schule gibt. Gutaussehend genug, um nicht schikaniert zu werden, aber zu düster um beliebt zu sein. Obwohl sein Vater reich ist, werden sie von den anderen reichen Familien ausgegrenzt – Peters Wunsch ist es, endlich gut genug zu sein. Natürlich zeigt er das niemandem. Nachdem er wegen des Dealers von Drogen von seiner Privatschule geflogen ist, kam er zu den Vindicators und zog sie schnell in seinen Bann.

Alex wird von seinem Vater permanent zu Bestleistungen gedrängt, die er leider nicht erreichen kann. Die Bestrafung darauf ist der Gürtel. Selbst unter den Vindicators fühlt er sich wie ein Außenseiter, besonders seit Peter gekommen ist. Er zieht sich immer mehr von der Gruppe zurück und verschließt sich vor ihnen, anstatt sich ihnen anzuvertrauen. Die anderen verlieren längst den Bezug zu ihm.

Schreibstil

Mit einem spannenden und erschreckenden Einstieg schuf Danny Tobey bereits mit der Einleitung einen Wow-Effekt. Vom Schreibstil dieses Autors war ich gebannt. An den kurzen Kapiteln habe ich mich nicht gestört, da sie, zum Inhalt passend, zur Spannung beigetragen haben. Oft wurde zwischen den Abschnitten auch die Perspektive gewechselt, sodass man nicht nicht nur Einsicht in die Köpfe der fünf Protagonisten, sondern auch in die der Nebendarsteller oder auch nur einmalig vorkommenden Charaktere – je nachdem, wie es sich grade anbietet – bekommt. Weder sprachlich, noch politisch nahm der Autor ein Blatt vor den Mund, was aber meiner Meinung nach gut zu der Story gepasst hat. 

Warum gibt es Kriege? Wieder eine Pause. Dann: Weil das Töten Spaß macht. Das war wirklich reizend. Charlie fragte: Wem? Abermals gab es eine Pause. Charlie rechnete schon mit einem Vortrag über die dunklen Triebe der Menschen, die geheime Todessehnsucht, die unterbewusste Blutgier hinter der dünnen Tünche der Zivilisation. Schließlich antwortete das Programm: Mir.

Kapitel 1
Seite 9

Fazit

Nachdem das Buch bei mir angekommen ist und ich zum ersten Mal realisiert habe, wie dick es ist, hat sich meine Motivation verabschiedet. Wird es langatmig sein? Werde ich Wochen dafür brauchen? Wird mich das in meinem Leseziel zurückwerfen? Doch schon nachdem ich das erste Kapitel gelesen habe, wurde mir klar, wie schnell ich mit diesem Buch fertig werden würde. Mit seinen Ideen hat der Autor meine Erwartungen deutlich übertroffen! In diesem Sci-Fi-Thriller treffen Technologie und Theologie aufeinander, in einer Form, wie ich sie noch nie zuvor gelesen habe, und daraus hervor gehen Spannung, Nervenkitzel und pure Gänsehaut! Ich konnte mich kaum von dem Buch lösen!

5/5

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