4 Sterne Dystopie Fantasy Trigger Warning

(Rezension) „Blood and Ash – Liebe kennt keine Grenzen“

Rezension Blood & Ash Liebe kennt keine Grenzen Jennifer L. Armentrout

Autorin

Jennifer L. Armentrout

Verlag

Heyne Verlag

Seitenanzahl

672

Kaufpreis

17,00 EUR

Erschienen

12.07.2021

ISBN

978-3-453-32141-0

Autorin: Jennifer L. Armentrout

Verlag: Heyne Verlag

Seitenanzahl: 672

Kaufpreis: 17,00 EUR

Erscheinungsdatum: 12.07.2021

ISBN: 978-3-453-32141-0

Poppy ist eine Auserwählte. Wenn sie den Segen der Götter erhält, wird sie die Einzige sein, die ihre Heimat vor dem Angriff des Verfluchten Königreiches retten kann. So will es die Tradition. So will es das Gesetz. Das Leben einer Auserwählten ist einsam. Niemand darf sie ansehen, geschweige denn mit ihr sprechen oder sie berühren. Eines Tages wird der attraktive Hawke – mit den goldenen Augen, dem frechen Grinsen und den provokanten Sprüchen – Poppys Leibwache zugeteilt, und sie merkt, dass es in ihrem Leben so viel mehr geben könnte als nur ihr Amt. Dass sie ein Herz hat, eine Seele und die Sehnsüchte einer ganz normalen jungen Frau. Als an den Landesgrenzen die Schatten der Verfluchten immer drohender werden, muss Poppy sich zwischen Liebe und Pflicht entscheiden …

Jennifer L. Armentrout hat sich in den USA bereits einen Namen gemacht: Immer wieder stürmt sie mit ihren Romanen – fantastische, realistische und romantische Geschichten für Erwachsene und Jugendliche – die Bestsellerlisten. Ihre Zeit verbringt sie mit Schreiben, Sport und Zombie-Filmen. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und zwei Hunden in West Virginia.

„Finley wurde heute Abend gefunden.“

Erster Satz
Seite 8

Über die Handlung (leichte Spoiler!)

Poppy ist die Jungfräuliche. Eine Auserwählte der Aufgestiegenen und die Zukunft des Volkes. Demnach ist sie auch eines der wichtigsten strategischen Ziele im Krieg gegen den dunklen Sohn. Als ihr Bodyguard bei einem Anschlag auf sie ums Leben kommt, wird ihr plötzlich Hawke zugeteilt, ein aufstrebender und ungewöhnlich junger Wächter, dessen Fähigkeiten  ihn angeblich für diese Stelle qualifizieren. Obwohl Poppy sich dagegen wehrt, schafft sie es nicht, sich seinem Charme zu entziehen. Besonders, da er als einziger zu verstehen scheint, wie sehr sie unter der „Ehre“, die Jungfräuliche zu sein, leidet. Und ihre Begegnung im „Red Pearl“, in das sie sich maskiert geschlichen hat, die für eine Jungfräuliche ziemlich unangemessen endete, macht das Ganze auch nicht besser. 

Nach einem schrecklichen Angriff auf die Burg, beschließt die Herzogin, dass Poppy nicht mehr sicher ist. Hawke erhält die Aufgabe, sie sicher und wohlauf in die Hauptstadt zu eskortieren. Doch außerhalb der Mauern lauern schreckliche Gefahren. Allerdings stellen sich die hungernden Monster als Poppys kleineres Problem heraus…

Über die Protagonisten 

Poppy ist eine richtige Powerfrau. Als auserwählte Jungfräuliche wurde sie bereits als Kind zu den Aufgestiegenen gebracht, wo sie auf die Pflichten vorbereitet wird, die sie erfüllen muss, sobald sie „den Göttern übergeben wird“. Ihr sind praktisch alle Annehmlichkeiten untersagt: Sie darf ihr Gesicht niemals zeigen, weshalb sie immer einen weißen Schleier trägt. Sie darf keine Bindungen eingehen und nicht einmal mit unbefugten Leuten sprechen. Natürlich muss sie – aus offensichtlichen Gründen – unberührt bleiben, und auch kämpfen darf sie nicht. Zu dumm, dass sie eine ehrgeizige Regelbrecherin ist. 

Poppy ist eine außergewöhnliche Protagonistin, die mich außerdem wirklich beeindruckt hat. Ihre Sehnsucht nach einem Leben, einem richtigen, normalen Leben, hat sie gleichzeitig stark und unglaublich angreifbar gemacht, was wundervoll umgesetzt wurde und für ein paar wirklich spannende Plot Twists gesorgt hat. Während des Finales hat mich ihr blindes Vertrauen und ihre Naivität allerdings ziemlich gestört. 

Hawke hat mich zu Beginn ebenfalls ziemlich beeindruckt. Sein unglaublich gutes Aussehen und seine Vorliebe für Zweideutigkeit (und öfter auch Eindeutigkeit!) sind allerdings nicht der Grund dafür. Tatsächlich fand ich seine verspielte Bad Boy Art eher vorhersehbar und umauthentisch, da ja irgendwie mehr als jeder zweite männliche Protagonist in Young Adult Büchern eins zu eins dieselbe  Persönlichkeit hat. Was ihn so interessant gemacht hat, waren sein Hintergrund und seine Motive, die erst relativ spät im Buch enthüllt werden. Außerdem waren die beiden zusammen ein so eingespieltes und grandioses Paar, dass ich ihn allein deshalb schon mögen musste! Leider ist er nach der finalen Wendung, in der seine Geheimnisse offenbart werden, deutlich in meinem Ansehen gerutscht. Wirklich schade.

„Der Tod ist wie ein alter Freund, der zu Besuch kommt. Manchmal schaut er vorbei, wenn du es am wenigsten erwartest, und manchmal sehnst du ihn herbei. Es ist nicht das erste, und auch nicht das letzte Mal, dass du ihn siehst, aber das macht ihn nicht weniger brutal und gnadenlos.“

Hawke
Seite 47

Über den Schreibstil 

Mein Einstieg in das Buch war ganz in Ordnung. Ich habe eine Weile gebraucht, um mich zu verlieben, und bis es soweit war, konnte ich den Hype nicht ganz nachvollziehen. Ich war überrascht, wie lange es gedauert hat, bis Hawke offiziell in Poppy Leben tritt, doch sobald die beiden zusammen waren, hat die Magie gewirkt. Die Geschichte ließ sich wirklich flüssig lesen und hatte bis zum Ende eine geheimnisvolle spannungsbringende Art an sich, die mich mitgerissen und ans Buch gefesselt hat. Obwohl die meisten Wendungen meiner Meinung nach ziemlich offensichtlich und wiederholt angeteased wurden, hat das ihre Wirkung nicht abgeschwächt, sobald sie eingetreten sind. Die Plot Twists sind mitunter das, was ich am überzeugendsten fand. Das, und das Worldbuilding.

Über das Worldbuilding

Vom Klappentext konnte ich mir wenig über die magische Welt erschließen, in der die Protagonisten leben, weshalb der gesamte Hintergrund von Poppy und Hawke erst noch zu ergründen galt. Deshalb war ich ziemlich überrascht, als ich herausgefunden habe, dass die Blood & Ash Reihe im Grunde von Vampiren und Werwölfen handelt, die auf Religion und Gottheiten basieren. Die Aufgestiegenen, die durch das Blut der Götter unsterblich werden befinden sich im Krieg mit den dunklen Nachkommen, die auf Seiten der Wölfischen und der Atlantianer stehen. Die Wölfischen sind vermutlich selbsterklärend, Atlantianer hingegen sind so etwas wie die ursprünglichen Vampire, die nicht geschaffen, sondern geboren wurden. 

Die gesamte Religion und Geschichte dieser unglaublichen Welt waren so kreativ und komplex, und außerdem grandios von der Autorin umgesetzt. Es hat mir super gefallen, dass sie sich für all diese Geheimnisse so viel Zeit gelassen hat, um eins nach dem anderen, zum richtigen Zeitpunkt zu offenbaren, sodass es nie langweilig wurde.

Und dann sah ich sie. Die blassen milchweißen Körper. Die eingesunkenen, leeren Gesichter. Die Augen wie brennende Kohlen, die Münder weit aufgerissen, die scharfen, gezackten Zähne gefletscht. Ihre Finger waren zu Klauen verkommen, mit denen sie genauso wie mit ihren Reißzähnen Fleisch wie weiche Butter aufreißen konnten. Meine Narben bewiesen es.

Poppy
Seite 252
Blood and Ash Rezension Jennifer L. Armentrout
Blood and Ash Jennifer L. Armentrout Rezension

Meine Kritikpunkte (Achtung Spoiler!)

So grandios der Hauptteil auch war, wirkte das Finale auf mich irgendwie unkoordiniert und fehlgeleitet. Sobald Hawkes wahre Identität ans Licht kommt, und Poppy klar wird, dass er ihr Feind ist, habe ich mich leider viel zu oft über beide Protagonisten geärgert, da ihr Verhalten lediglich dramatisch sein sollte und für mich einfach keinen Sinn gemacht hat. Besonders Hawke ist wieder zurück in das Klischee „Bad Boy“ gerutscht, was mich ziemlich geärgert hat. Und ganz ehrlich, dass die beiden plötzlich in der unmöglichsten Situation einfach Sex hatten, fand ich nur bescheuert. Mal ganz abgesehen davon, dass das definitiv als Vergewaltigung zählt, was Hawke für mich ein bisschen ruiniert hat.

Vielleicht kennt ihr das ja – ich glaube nämlich, dass das unter Buchliebhabern ein häufiges Symptom ist – aber es gibt gewisse Dinge, die ein Bösewicht tun kann, die ihn immer noch nachvollziehbar und moralisch… okay machen. Darunter fallen Verrat, Diebstahl, Mord, Folter und vermutlich noch einige weitere Verbrechen. Das sind einfach Dinge, die man im echten Leben nicht toleriert, aber in Büchern macht es die Person aus irgendeinem Grund heiß. Aber Vergewaltigung ist etwas ABSOLUT anderes. Es ist einfach abartig, im echten Leben, in Büchern, in Filmen, überall. Und dass Hawke Poppy, nachdem sie versucht hat, ihn zu töten, gebissen hat – was extreme sexuelle Erregung auslöst – und dann mit ihr geschlafen hat, ist Vergewaltigung. Punkt. Besonders, da Poppy so überwältigt von ihren Emotionen war, dass sie nicht einmal ohne den Biss eine tatsächliche Einwilligung hätte geben können. 

Insgesamt fand ich also, dass Jennifer L. Armentrout mit dem Ende total am Ziel vorbeigeschossen ist. Gerade wegen diesem enttäuschenden Verlauf bin ich aber umso gespannter auf die Fortsetzung, da ich festes Vertrauen in die Autorin habe und darauf hoffe, dass sie die Story nach diesem Fehltritt noch irgendwie retten kann. Dieses Buch hatte so viel Potenzial, dass auch in den meisten punkten ehrgeizig ausgeschöpft wurde, weshalb es zu schade wäre, würde ich jetzt nicht weiterlesen. 

Mein Fazit

Großartiges Worldbuilding, grandiose Hintergrundgeschichte und spannende Plot Twists. Leider ging die Charakterentwicklung hier nach hinten los. Die Protagonisten, in die ich mich absolut verliebte, wurden während des Finales mehr und mehr unsymphatisch. Das Ende konnte mich nicht ganz überzeugen, doch mein Vertrauen in die Autorin lässt mich auch den Fortsetzungen entgegenfiebern.  

4/5

Wie andere Blogger das Buch fanden…

(1) Kommentar

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