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(Rezension) „Worüber wir nicht sprechen sollen – es jetzt aber trotzdem tun“

Autorin

Nimko Ali

Verlag

Goldmann

Seitenanzahl

304

Kaufpreis

14, 00 EUR

Erschienen

30. 08. 2021

ISBN

978-3-442-31604-5

Autorin: Nimko Ali

Verlag: Goldmann

Seitenanzahl: 304

Kaufpreis: 14, 00 EUR

Erscheinungsdatum: 30.08.2021

ISBN: 978-3-442-31604-5

Willkommen zu meiner Rezension zu „Worüber wir nicht sprechen sollen – Es jetzt aber trotzdem tun“ von Nimko Ali

Willkommen zu meiner Rezension zu „Worüber wir nicht sprechen sollen – Es jetzt aber trotzdem tun“ von Nimko Ali

Wie fühlt sich eine Vagina nach der Geburt an? Woher weiß ich, dass ich wirklich einen Orgasmus hatte? Wie lerne ich meinen Körper nach einem Missbrauch wieder lieben? Die britische Frauenrechtsaktivistin Nimko Ali spricht aus, worüber immer noch schamerfüllt geschwiegen wird. Denn bei allem Fortschritt in Sachen Feminismus und Emanzipation ist es erschreckend, mit welcher Unwissenheit und Verachtung die weibliche Anatomie immer noch betrachtet wird, sofern sie nicht straff, ordentlich bedeckt, verschönert und enthaart ist. Ali hat hierzu mit vielen Frauen von Äthiopien bis London gesprochen und vereint deren Stimmen in einem Buch. Ihre Sammlung intimer und unzensierter Lebensgeschichten räumt auf mit den Mythen rund um den weiblichen Körper und ist ein Aufruf, Erfahrungen zu teilen und die gesellschaftlichen Tabus zu brechen, die Frauen zur Passivität und zum Schweigen verurteilen. Bewegend, kraftvoll und direkt: ein Manifest über die großartige Vielfalt weiblicher Sexualität, über Unwissenheit, Diskriminierung und die Notwendigkeit über all das zu sprechen.

Nimko Ali ist eine britische Feministin, Frauenrechtsaktivistin, Rednerin und Mitbegründerin von »The Five Foundation«, einer weltweiten Organisation, die sich gegen weibliche Genitalverstümmelung (FGM) einsetzt. 2019 wurde sie für ihr Engagement mit dem UN-Frauenrechtspreis ausgezeichnet.

»Bei allem Fortschritt in Sachen Feminismus ist es erschreckend, welche Verachtung der weiblichen Anatomie immer noch entgegengebracht wird, sofern sie nicht straff, ordentlich bedeckt, aufgehübscht und enthaart ist.«

Erster Satz
Seite 9

Tabuthemen

Wir leben im 21. Jahrhundert und Frauen können immer noch nicht offen reden – nicht ohne Scham oder Verurteilung, in manchen Ländern nicht einmal, ohne ihr Leben zu verlieren. Nimko Ali hat die vier wichtigsten Veränderungen und Ereignisse des weiblichen Körpers – Periode, Orgasmus, Schwangerschaft und Menopause – zum Gesprächsthema gemacht, und dutzende Frauen dazu eingeladen, ihre eigene Geschichte dazu zu erzählen, ohne Zensur, ohne Scham und ohne Urteil. Zu jeder Geschichte hat sie zusätzliche wichtige Themen angesprochen und nochmal erklärt, wie beispielsweise die FGM („Female Genital Mutilation“), oder pränatale Depressionen, Fisteln und vieles mehr. Alles Themen, die vielen unangenehm sind, und es für Betroffene noch unangenehmer macht, weil sie sich nicht trauen, um Hilfe zu bitten.

„Ich habe auch gemerkt, dass einem als Frau nicht so leicht geglaubt wird, wenn es um etwas Körperliches geht und um Schmerz. Wir sollen doch bitte sehr im Stillen leiden – und genau das habe ich getan.“

Tasia
Seite 44

Ehrlich und humorvoll 

Schon von der ersten Seite an, habe ich mich in den Schreibstil der Autorin verliebt. Die humorvolle und sarkastische Art, wie sie ihre Fakten vorträgt hat etwas Erfrischendes und Ehrliches, das mich mitgerissen und gleichzeitig verärgert hat, da es umso unverständlicher wurde, weshalb Frauen heutzutage immer noch so behandelt werden. Zu jedem Kapitel schreibt sie ihre eigenen Gedanken zu dem jeweiligen Thema auf und hat mich ziemlich oft mit ihren Bemerkungen zum Schmunzeln gebracht, wie beispielsweise mit ihrer Geschichte, als sie die superteueren Bettlaken der britischen Regierung vollgeblutet hat, da sie von ihrer Periode überrascht wurde. Geschichten wie diese, nehmen einem den Scham an seinen eigenen Missgeschicken und Desastern.

Im Krankenhaus hätten sie eigentlich Endometriose diagnostizieren müssen, aber das hätte vorausgesetzt, dass man meine Schmerzen ernst genommen hätte.

Tasia
Seite 48

Kinderbräute

Für dieses Buch ist Ali um die ganze Welt gereist, um mit den unterschiedlichen Frauen zu sprechen und hat somit schreckliche Geschichten zutage gefördert. Laut einer Schätzung von UNICEF werden jährlich zwölf Millionen minderjährige Mädchen verheiratet, und in diesen Ehen ist selten mit guter Behandlung zu rechnen. Mädchen und Frauen werden als Babygefäße angesehen und riskieren ihr Leben bei einer Schwangerschaft nach der anderen. Ihre Ehemänner sind meistens deutlich älter als sie selbst, und sterben diese, werden die Frauen einfach als Besitz an den nächsten männlichen Nachkommen weitergegeben. Es war schrecklich und zugleich unglaublich interessant zu lesen, was diese Frauen alles durchmachen mussten, und wie sie mit dem Schmerz zurechtgekommen sind. Einige dieser Geschichten sind furchtbar, aber gerade deshalb müssen sie gehört werden, und dafür respektiere ich die Autorin sehr. Sie verschafft den Frauen Gehör.

Ist doch verrückt, dass wir völlig verklärt über unser erstes Mal sprechen – den Ort, den Mann –, aber über den eigentlichen Akt an sich nicht hinauskommen. Kein Mensch spricht von Gleichberechtigung in Sachen Orgasmen, kein Mensch rät uns, unsere Orgasmen zu zählen statt Kalorien.

Nimko Ali
Seite 76

Mein Fazit

Trotz des Schreckens habe ich es sehr genossen, dieses Buch zu lesen. Die Ehrlichkeit und Offenheit der Frauen war einfach beeindruckend und hat mir in einigen Hinsichten die Augen geöffnet. Ich bin sehr dankbar, dass ich ein gutes Leben habe, und mich mit den meisten der Problemen die erwähnt wurden, nicht persönlich auseinandersetzen muss, aber gerade deshalb ist es umso wichtiger, dass Menschen wie ich und viele andere auch unser Verständnis und unsere Hilfe anbieten, wo wir nur können. Es gibt viele Spendenaktionen und weitere Möglichkeiten, um Frauen in Notlagen auszuhelfen, sei es mit Gewalt, mit dem Zugang zu anständiger Gesundheitsversorgung oder Hygieneartikeln oder vieles mehr. Die Liste ist lang. „Worüber wir nicht sprechen sollen – Es jetzt aber trotzdem tun“ gewährt nötige Einblicke in die grauenvolle Lage vieler Menschen, aber es ist auch ein Apell an die Weiblichkeit und an das Wunder, das unser Körper darstellt. Nicht nur alle Frauen, sondern besonders auch Männer sollten dieses Buch lesen!

5/5

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