4 Sterne, Allgemein, Juli, Thriller

(Rezension) Die Nanny

Titel: Die Nanny

Autorin: Gilly MacMillan

Verlag: Blanvalet 

Seitenanzahl: 448

Kaufpreis: 13, 00 EUR

Erscheinungsdatum: 27. 07. 2020

Sie ist die Tote im See. Sie ist die Frau an der Tür. Sie ist das Kindermädchen!

Die siebenjährige Jo wächst im Luxus auf, doch Wärme und Zuneigung erfährt sie nur von ihrer geliebten Nanny Hannah. Als die eines Nachts ohne jede Erklärung verschwindet, bricht für das Mädchen eine Welt zusammen. Dreißig Jahre später kehrt Jo nach England in das Anwesen ihrer Kindheit am See zurück. Die Beziehung zu ihrer Mutter ist noch immer geprägt von Vorwürfen und Ablehnung, und so ist Jo überglücklich, als eine ältere Dame auftaucht und sich als Hannah, Jos ehemalige Nanny, vorstellt. Doch Jos Mutter ist misstrauisch. Denn sie weiß – Hannah ist tot, seit der Nacht vor über dreißig Jahren. Wem soll Jo glauben? Ihrer Mutter oder der Frau, die damals das einzig Guten in ihrem Leben war? Und will Jo die Wahrheit überhaupt wissen? Denn die tut manchmal so weh, dass man lieber mit einer Lüge leben würde …

Gilly Macmillan wuchs in Swindon, Wiltshire auf und lebte in ihrer Jugend einige Jahre im Norden Kaliforniens. Sie arbeitete beim Burlington Magazine, der Hayward Gallery und als Dozentin für Fotografie. Heute widmet sie sich ganz dem Schreiben. Gilly Macmillans Romane erfreuen sich besonders in Großbritannien großer Beliebtheit und sind allesamt Bestseller. Sie lebt mit ihrer Familie in Bristol, England.

Charaktere

Jo ist die Kurzform für Jocelyn. Das ist aber ein Name, den sie, wie vieles andere, das sie von ihrer Mutter bekam, abgelegt hat. Denn es gibt vermutlich niemanden, den sie mehr hasst. Sobald sie die Chance hatte, verbannte sie ihre Eltern aus ihrem Leben und zieht nach England, wo sie heiratet und eine Tochter kriegt. Doch nach zehn Jahren, in denen sie ihre Vergangenheit erfolgreich hinter sich gelassen hat, stirbt ihr Mann bei einem Autounfall sie verliert jeden finanziellen Halt, den sie hatte. Sie ist auf ihre Mutter angewiesen. Und sie hasst es.

Ruby ist 10 Jahre alt und die kleine Tochter von Jo. Der Verlust ihres Vaters ist schwer für sie und deshalb braucht sie mehr als alles andere Stabilität. Doch wegen den finanziellen Probleme ihrer Mutter müssen sie nach England zu ihrer Großmutter ziehen, die sie noch nie kennengelernt hat. Sie vermisst ihren Vater und ihre Freunde, aber kommt ihrer Großmutter – sehr zu Jos Widerwillen – sehr schnell näher.

Virginia ist Jos Mutter. Nach der Hochzeit mit ihrem Mann Alexander Holt wurde sie zur Lady, Teil einer adeligen Familie und die neue Besitzerin von Lake Hall, einem riesigen Anwesen, das sie mit ihrem Mann bezieht. Ihr größter Wunsch war eine Tochter. Doch als sie sie bekam… wurde ihr klar, dass diese sie hasst. Ihre eigene Tochter hasst sie. Und sie ist zu stur, um etwas an ihrem Verhalten gegenüber Jocelyn zu ändern. 

Hannah ist die Nanny, die von Virginia angeheuert wird, um auf ihre Tochter aufzupassen. Jocelyn liebt ihre Nanny, sehr viel mehr als sie ihre Mutter liebt. Hannah ist ihr ein und alles. Und plötzlich verschwindet Hannah. Jocelyn glaubt, Hannah ist verschwunden, weil sie sie nicht mehr liebt. Virginia glaubt, dass sie tot ist. Doch plötzlich taucht sie sehr lebendig, und ohne irgendeinen Groll in Lake Hall auf, und bringt die Holts extrem durcheinander.

Anfangs musste ich mir noch eine Meinung von den Charakteren bilden, und fand Jo wirklich sympathisch, schließlich ist sie die die Protagonistin, doch im Laufe der Geschichte wurde sie mir ein bisschen unsympathisch, da sie blind von ihrem Hass auf ihre Mutter wird und dadurch die Augen vor der offensichtlichen Wahrheit verschließt. Virginia hingegen, die ja eigentlich die „unsympathische“ Mutter ist, wurde mir von Seite zu Seite immer sympathischer, bis sie, zusammen mit Ruby, mein Lieblingscharakter wurde. Allgemein waren die Protagonisten aber ziemlich gut geschrieben – eine gewisse Antipathie zeugt auch von gelungenen Charakteren, vor allem, wenn es die Bösen sein sollen. Außerdem kann ich Jos Verstimmung auch irgendwie nachvollziehen.

Schreibstil

Der Einstieg in das Buch ist mir super gelungen. Schon von Anfang an habe ich gut in die Geschichte reingefunden und mich mit den Charakteren angefreundet. Meistens wird aus Jos Sicht geschrieben, doch zwischendurch wechselt die Perspektive auch oft zu Virginia, Hannah, oder einem Detective, der sich um einen potentiellen Mord in Lake Hall kümmern soll, aber erstaunlich wenig vorkommt, und eigentlich kaum zur Story beiträgt. Hannahs Geschichte wird zu einem Großteil in Flashbacks erzählt, die ihre geheimnisvolle Geschichte Stück für Stück erklären und zusätzlich für Spannung sorgen. Das Buch liest sich wirklich fließend und erlaubt es einem, sich in der Handlung zu verlieren. 

Die Schmerzmittel schalten mich nicht so sehr aus, dass mir nicht bewusst ist, welch gravierenden Fehler ich heute begangen habe, indem ich mich in Gefahr gebracht habe. Wer diese Frau auch ist, sie will etwas von mir, und ich kann es mir nicht leisten, ihr gegenüber verwundbar zu sein. Schlimmer noch. Sollte diese Frau Hannah Burgess sein – und nachdem ich sie gesehen habe, könnte es sein, auch wenn ich nicht weiß, wie – glaube ich, dass keiner von uns sicher ist. Was ist, wenn sie Rache für die Gewalt üben will, die sie erlitten hat?

Virginia
Seite 149

Fazit

Das Buch hat mir wirklich gut gefallen und konnte mich, trotz meiner kleinen Probleme mit Jo, wirklich überzeugen. Die Handlung war spannend und gut durchdacht, auch wenn die plot twists ein bisschen aufregender hätten sein können. Das Finale kam plötzlich, war aber genau richtig – es unterstreicht die Impulsivität und Verletzlichkeit der Protagonisten, was sie meiner Meinung nach sogar sympathischer gemacht hat. Das Ende allerdings war relativ nichtssagend. Insgesamt war das Buch echt cool, hätte aber noch in wenigen Punkten verbessert werden können. 

4.5/5

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